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Malta – Klippen, Karst, Kultur

Küstenwanderungen und Besichtigungen vom 27. März – 9. April 2015

Unterkunft: Hotel Ramla Bay Resort in Marfa
Leiter: Karl Meier
Teilnehmer: 10, alles Sektionsmitglieder

Malta 168Die Anreise mit Flug ab München verlief reibungslos, die ansprechenden Zimmer im ruhig gelegenen Hotel wurden bezogen und erstmals das tolle abendliche Büfett genossen. Alle waren zufrieden und gespannt auf die Wanderungen, die in die wilde Natur Maltas führen sollten. Auf der Anfahrt zum Hotel ging es fast nur durch Städte und Dörfer, wo war da noch unbebautes Gelände?
Nachdem die äußerst preiswerten Wochenkarten für den öffentlichen Busverkehr gekauft waren, ging es gleich los mit den modernen klapprigen Bussen und den waghalsigen aber sehr exakt fahrenden Harakiri-Piloten. Wer keinen Sitzplatz ergattern konnte, musste sich an Stangen und Sitzen festklammern, damit er nicht herumgeschleudert wurde. Alle erreichten ohne größere körperliche und seelische Schäden den Ausgangspunkt unserer Wanderung. Von Xemxija aus führte die Eingehtour entlang der Steilküste zur Mistra Bay und weiter zu den St. Paul´s Inseln. Da war sie die wilde Natur Maltas, da war die frühlingshafte Blumenpracht, da war das schäumende Meer! Weiter führte der unmarkierte Pfad in einem Bogen der Küste entlang, vorbei an von hohen Steinmauern umgrenzten winzigen Feldern, die teils verwildert, teils gepflegt waren. Schließlich wurde der riesige Selmun Palace erreicht, der zum Hotel umgebaut werden sollte und nun leer steht. Das heutige Ziel, die Stadt Mellieha, bot eine riesige Kirche zur Schau, die natürlich besichtigt wurde.
Malta 027 Malta 046Nach einem reichhaltigen Frühstücksbüfett begann die nächste Wanderung in der Mellieha Bay, wo der wie immer unmarkierte Pfad zur Anchor Bay über karstiges Gelände führte. Vorbei am Popeye Village, wo die aufwendige Kulisse für einen 1980 gedrehten Film zahlreiche Besucher anlockte, ging es immer an der Abbruchkante der Steilküste entlang weglos weiter zur nächsten Bucht, der Golden Bay. Es war eine wilde Landschaft, auf der einen Seite karstiges Hinterland mit Blumenteppichen, dann senkrechter Abbruch mit einem vom Meer umtosten Trümmerfeld. Die nächste Bucht, Ghajn Tuffieha Bay, wurde erreicht und vorbei an einem eigenartigen Tafelberg die Gnejna Bucht angesteuert. Vom Lippija Tower, einem alten Wachturm, schauten wir den Paraglidern zu, die bei starkem Wind ihre halsbrecherischen Künste zeigten. In Mgarr stiegen wir schließlich in einen Bus ein, der uns wieder zurück brachte. Ein ausgefüllter Tag ging zu Ende.
Da auch am nächsten Morgen eine steife Prise wehte und eine Überfahrt zur kleinen Insel Comino verhinderte, wurde eine Wanderung auf der größeren Insel Gozo vorgezogen, da diese mit einer großen Fähre leichter erreichbar war. Der Fahrstil der Busfahrer war identisch mit denen auf Malta, sodass wir zwar durchgeschüttelt, aber wohlbehalten Marsalforn an der Nordküste Gozos erreichten. Vorbei an Salzpfannen, in denen Meersalz gewonnen wurde und noch vereinzelt wird, wanderten wir die felsige Küste entlang, an der die Wellen der aufgewühlten See mit Getöse zerschellten. An einem steilen Fjord entlang gelangten wir etwas ins Hinterland, bevor uns die Küste wieder in ihren Bann schlug. Die San Dimitri Kapelle war dann Orientierungspunkt auf dem Weg nach Gharp, wo uns ein Bus erwartete.
Am Dienstag war Ruhetag angeordnet, aber alle waren schließlich doch per pedes unterwegs. Die einen wanderten über den Roten Turm zum Aussichtsplatz Ras l-Qammieh 120 m hoch über dem Meer und schließlich abenteuerlich durch ein Felsenmeer zur Paradise Bay. Die anderen waren zum Ahrax Point und zur Madonnenstatue unterwegs. Beide Gruppen erfreuten sich an der überraschend reichhaltigen und bunten Flora, die auf dem kargen und steinigen Boden gedieh. Wie mag es hier im heißen Sommer aussehen?
Am nächsten Tag waren wir wieder auf Gozo unterwegs, Start in Xlendi mit Ziel Fährhafen Mgarr. Ein besonders starker Wind wehte uns um die Nase und wir waren froh, die Tour entgegen dem Führervorschlag angegangen zu sein. So „schob“ uns der böige Sturm entlang der extrem steilen Klippen, Vorsicht war angebracht. Für mich zählen die Klippen von Id-Dawra tas-Sanap und Tax-Xemx, die senkrecht ohne Küstenstreifen ins Meer stürzen, zu den eindrucksvollsten Landschaften der Inseln. Vom Küstenpfad mussten wir bei Sannat abweichen, da ein Hotel den Weg versperrte. Danach suchten wir die Fortsetzung, was uns aber erst nach Umwegen im Karst gelang. Am kleinen Fjord der Mgarr ix-Xini Bay lockte ein Cafe, aber fast alle wollten weiter zur Fähre, die über zum Teil abenteuerliche Pfade rechtzeitig erreicht wurde.
Nun war es an der Zeit, sich der Kultur der Insel widmen. Über Mosta, wo durch Umsteigen in eine andere Buslinie Zeit für die Besichtigung einer überdimensionalen Kirche blieb, gelangten wir zur ehemaligen Königsstadt Mdina, die auf einer Anhöhe hoch über der Umgebung thront. Der Stadtkern mit vielen prachtvollen Palästen und Kirchen ist von hohen Festungsmauern umgeben und hat den Flair eines Freilichtmuseums. Nach ausgiebigen Besichtigungen spazierten wir noch durch die Nachbarstadt Rabat, um die St. Agatha Katakomben zu besuchen. Diese aus dem Gestein gemeißelten unterirdischen Gänge und Räume dienten als Begräbnisstätten für Menschen im 4. – 5. Jahrhundert n. Chr. Besonders die uralten Fresken waren sehenswert.
Malta 074 Malta 118Als wir abends wieder im Hotel ankamen, waren unsere Nachzügler Herbert und Angelika schon eingetroffen. Sie erzählten vom schlechten Wetter in Deutschland und wir waren froh, hier im relativ warmen Malta zu sein.
Mit den Neuen ging es am nächsten Tag nach Gozo und Xlendi, wo die Wanderung mit Ziel Dweijra begann. Ein steiler Anstieg führte uns auf die Klippen und auf deren Rand zum Kap Ras il Wardija. Dann wurde die Dwejra Bucht mit der Felseninsel Fungus Rock umrundet und schließlich der große Parkplatz am Azure Window erreicht. Dieses ist ein großes Felsentor und zählt zu den Wahrzeichen Gozos. Entsprechend groß ist auch das touristische Interesse. Auch wir wollten, wie viele andere auch, ein Gruppenfoto vor dem Felsentor machen und positionierten uns entsprechend dekorativ davor. Gerade als ich einem Touristen meine Kamera zum Fotografieren geben wollte, kam eine riesige Welle, wahrscheinlich die einzige so große an diesem Tag, schwappte über die Felsen und ergoß sich über uns. Das Gelächter der schlaueren Touristen ertrugen wir heldenhaft und schossen bis auf die Haut durchnässt etwas weiter oben doch noch ein Gruppenfoto. Bevor wir den Heimweg mit Bus und Fähre antraten besuchten wir noch den Inlandsee, der einen Tunnelzugang zum freien Meer hat.
Am nächsten Morgen hatte der Wind an Stärke abgenommen und das Meer war einigermaßen glatt. So konnten wir die Fahrt mit dem kleinen Schnellboot nach Comino wagen. Draußen auf dem Meer gab es doch noch größere Wellen und wir wurden bei der Umrundung der Insel ganz schön durchgeschüttelt. An der blauen Lagune gingen wir an Land und bestaunten die herrlichen Farben des Meeres in dieser Bucht. Die bizarre Küste mit Höhlen und Felsinseln entlang mit vielen Aus- und Einblicken wanderten wir zum Comino Tower, einem restaurierten Wachturm, den wir besichtigten. Durch karge Landschaft ging es dann zu einer kleinen Festungsanlage, in deren Mauern wir windgeschützt Mittagsrast hielten. Dann waren wieder steile Klippen an der Reihe und ein unfreiwilliger Ausflug ins weglose Gestrüpp. Schließlich wurden noch zwei Buchten besucht, Santa Marija Bay und San Niklaw Bay, ehe wir wieder an der blauen Lagune ankamen. Unser Bootpilot zeigte uns noch Höhlen und Felsfenster aus unmittelbarer Nähe und dann noch was sein Boot und er so drauf hatten. Es war ein lustiger Abschluß eines gelungenen Tages.
Malta 125Laut Führerliteratur sollte am nächsten Tag ein Wanderhöhepunkt Maltas stattfinden, die Tour zu den Dingli Cliffs. Zuerst wurden die 4800 Jahre alten Tempelanlagen Hagar Qim und Mnajdra bestaunt und dann ging es ganz interessant weiter die Küste entlang nach Ghar Lapsi. Der Weiterweg im Hinterland und schließlich lange Passagen auf Teerstraßen waren für uns, verwöhnt von großartigen Wanderungen zuvor, nicht sehr interessant. Und bessere Ausblicke hatten wir auch schon gehabt. Gemessen an den Führerversprechungen war diese Tour etwas enttäuschend.
Aber es gab ja noch Highlights wie zum Beispiel am nächsten Tag: Valetta. Bus Nr. 41 brachte uns wohlbehalten vor die Tore der Hauptstadt. Anders als in Mdina empfingen uns quirliges Leben und reges Geschäftetreiben. Das Weltkulturerbe Valetta lebt und ist kein Museum! Die oder eine der größten Festungsanlagen der Welt hat denn auch einiges zu bieten. Eine Unzahl von Palästen, Kirchen und Museen bot sich zur Besichtigung an, aber viele waren geschlossen, außerdem mussten wir uns zeitlich beschränken. Ein, ich würde sagen das, Highlight war die St. John´s Co-Kathedrale aus dem 16. Jahrhundert. Sie war die Hauptkirche des Johanniterordens und ist die schönste Kirche dieser Bauart, die ich je gesehen habe. Deshalb herrscht bei der Besichtigung großer Andrang, aber man kann und sollte sich viel Zeit lassen, es lohnt sich. Der Großmeisterpalast, Sitz des Präsidenten Maltas, war leider nicht zu besichtigen, da offensichtlich Staatsgäste anwesend waren. Ein Rundgang durch Valetta und entlang der Festungsmauern brachte immer wieder Ausblicke auf die befestigten Hafenanlagen des Großen Hafens und des Marsamxett Harbour. Müde und betäubt von den intensiven Eindrücken und den langen Busfahrten trudelten alle wieder im Hotel ein.
Nun stand der letzte Wandertag an, der uns wieder nach Gozo, der schönsten Wanderinsel, brachte. Laut Führer sollte es die schwierigste Tour sein und sie wurde es auch. Von der herrlichen Badebucht Ramla Bay aus führte der Pfad noch gut sichtbar an der zerklüfteten Felsküste entlang um einen steilen Landvorsprung herum. Bald aber war der Pfad abgerutscht oder verschüttet, so dass immer wieder Umgehungen gefunden werden mussten. Schließlich waren keine Spuren mehr zu finden und so mussten wir uns nach Gefühl durchs verwachsene Gelände wühlen. Schließlich kamen doch alle mehr oder weniger zerkratzt an der San Blas Bay an, wo der eigentlich schwierigere Teil erst beginnen sollte. Drei von uns kürzten die Tour ab und wanderten auf einem Fahrweg zum Ziel Nadur. Die anderen suchten und fanden den „Weg“ durch das Felsenmeer der Mistra Rocks. Gute Orientierung, ein Blick für den möglichen Durchgang und Trittsicherheit waren nötig, um durch das Gewirr von riesigen Felsen und tiefen Abgründen zu finden. Zum Schluß brachten noch blühende Obstgärten die Kameras zum Klicken. Wiedervereint latschten dann alle auf der Straße zum Fährhafen, denn die Bushaltestellen waren wegen einer Baustelle verlegt worden. Ich habe gehört, dass diese Tour für einige die schönste war.
Der letzte Tag vor der Heimreise war ein Ruhetag. Jeder machte das, was ihm am meisten Spaß machte. Die meisten ruhten sich von den Strapazen der letzten Tage aus und genossen die Sonne, das Meer und die Annehmlichkeiten des Hotels und blickten zurück auf erlebnisreiche Wandertage auf Malta, Gozo und Comino.

Karl Meier

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